Ein Jahr Kinderschutzambulanz im St.-Clemens-Hospital

04. Februar 2020  

Vor einem Jahr nahm die Kinderschutzambulanz im St.-Clemens-Hospital ihre Arbeit auf. Ein Jahr, in dem wöchentlich neue Schützlinge professionelle Hilfe und Betreuung durch die fachlich geschulten Kinderärzte und Pflegekräfte in Geldern fanden. „Wir betreuen Kinder aus dem gesamten Kreis Kleve. Die Bandbreite ihrer Indikation reicht von Vernachlässigung über sexuelle Gewalt und Misshandlungen bis hin zu lebensbedrohlichen Verletzungen“, beschreibt Kinderschutzärztin Dr. med. Katharina Ketteler ihren Arbeitsalltag.

Für die Kinder beginnt mit der Betreuung durch das Kinderschutzteam eine sicherere Zukunft. „In den meisten Fällen ist es sinnvoll, die Betroffenen zunächst stationär aufzunehmen; nicht nur im Hinblick auf medizinische Diagnostik und Therapie, sondern auch, um ihnen eine geschützte Umgebung zu bieten und sie aus der Schusslinie zu holen. Das gibt uns Zeit, um Gespräche zu führen und die zuständigen Stellen bei der Umsetzung weiterer Maßnahmen zu unterstützen“, erläutert Chefarzt Dr. med. Karsten Thiel die ersten Schritte. Über die zukünftige Unterbringung entscheide - wenn erforderlich - das Jugendamt. „Wir stehen beratend zur Seite. Dabei werden die Eltern möglichst von Anfang an in die Gespräche und Planungen einbezogen.“ Um allen Anforderungen gerecht zu werden, hat das Team in den vergangenen Monaten viel bewegt. Wichtigster Meilenstein war dabei der Aufbau eines stabilen Kinderschutznetzwerks für den Kreis Kleve zusammen mit Jugendämtern, niedergelassenen Ärzten, Klinikmedizinern und Rechtsmedizin, Kriminalpolizei und Beratungsstellen. „Unser Netzwerk ist wichtig, um möglichst viele Kinder auffangen zu können“, sagt Dr. med. Katharina Ketteler. „Beispiele aus anderen Regionen beweisen, dass die Zahl der aufgedeckten Fälle steigt, je besser die Partner zusammenarbeiten.“ Auch deshalb werden nach und nach weitere Institutionen an Bord geholt, zum Beispiel das städtische Angebot Frühe Hilfen, Betreuungseinrichtungen, Kindergärten und Schulen.

Hinzu kommt die Weiterbildung der Mitarbeitenden im Gelderner Krankenhaus. „Uns geht es nicht nur um die Ausbildung von Kinderschutzfachkräften in der Kinderklinik. Auch Mitarbeitende aus anderen Fachrichtungen sollen mit einem soliden Wissen im Bereich der Kindeswohlgefährdung ausgestattet werden“, betont Dr. med. Karsten Thiel. „Wir brauchen viele Augen, um betroffene Kinder zu identifizieren. Dabei muss sich nicht jeder Verdacht bestätigen. Doch es ist besser, einmal häufiger hinzuschauen als zu wenig.“

Damit es gar nicht erst so weit kommt, gibt es in der Gelderner Kinderschutzambulanz ein besonderes Präventionsangebot: die Eltern-, Baby- und Kleinkindberatung mit Schreibaby-Sprechstunde. „Das Angebot wurde von der ersten Minute an gut angenommen“, freut sich Schreibaby-Therapeutin und Familienberaterin Monika Hanßen. Rund 250 Beratungen habe sie allein im ersten Jahr durchgeführt. Hauptgrund seien Schlafprobleme der Kleinsten. Die Eltern fühlen sich erschöpft und verzweifelt. „Misshandlungen sind die häufigste Todesursache von Kindern im zweiten Lebenshalbjahr. In diesem Alter äußern die Kinder schon vermehrt ihre Bedürfnisse, sind aber noch sehr verletzlich. Kommen dann eine massive Erschöpfung und Überforderung der Eltern hinzu, steigt die Gefährdung der Kinder. Ein klassisches Beispiel ist das Schütteltrauma, welches zu unmittelbarem Tod oder schweren neurologischen Folgeschäden führen kann“, erklärt Dr. med. Katharina Ketteler. „In dieser Phase die elterliche Kompetenz zu stärken, ist Schutz für das Kind. Deshalb ist das Beratungsangebot ein wichtiger Bestandteil unserer Ambulanz.“

Wie erfolgreich diese Arbeit ist, zeigen die Rückmeldungen der Eltern. Viele fühlen sich schon nach dem ersten  Gespräch emotional stabilisiert. „Es ist hilfreich, ihnen zuzuhören und ihre Probleme ernst zu nehmen“, rekapituliert Monika Hanßen. „Damit sie ihren Kindern besser gerecht werden können, liegt der Fokus auf ihnen und ihren Bedürfnissen. Die Eltern dürfen sich abgrenzen, ohne das Kind dabei allein zu lassen.“ Dazu bespreche man gemeinsam, was die Familie benötigt, um ihre Situation zu verbessern, und wo Ressourcen aktiviert werden können.

Auch wenn der Anlass bedrückend ist, freut sich Dr. med. Karsten Thiel doch über den erfolgreichen Start der Kinderschutzambulanz. „Es war mir ein persönliches Anliegen, die Rahmenbedingungen für die Kinderschutzarbeit zu verbessern“, so der Chefarzt. „Natürlich sind Kinderschutzfälle für uns nicht neu. Es gab sie immer schon. Durch die Kinderschutzambulanz und das große kreisweite Netzwerk haben wir aber Voraussetzungen für eine deutlich professionellere Hilfe für die Betroffenen geschaffen. Unser Ziel ist es, das weiter auszubauen.“

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