Dem Krebs zuvor kommen

09. Juli 2019

Medizinische Fortbildung des Tumorzentrums Niederrhein beschäftigte sich mit der Prävention von Krebserkrankungen

 

Wir können den Krebs in 10 bis 20 Jahren besiegen. Mit dieser Kampfansage überraschte Gesundheitsminister Jens Spahn zu Jahresbeginn die Öffentlichkeit. Dass das Ziel wenig realistisch ist, darin sind sich die Experten einig. „Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die wir schon heute erfolgreich zur Krebsprävention und Früherkennung einsetzen können“, erklärt Prof. Dr. med. Gernot Kaiser, Sprecher des Tumorzentrums Niederrhein und Chefarzt am St. Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort. Um diese Strategien drehte sich die diesjährige Fortbildungsveranstaltung des überregionalen Versorgungsnetzwerkes.

Rund 50 Ärzte waren der Einladung des St.-Clemens-Hospitals Geldern gefolgt. Als Kooperationspartner im Tumorzentrum übernahm das Krankenhaus die Ausrichtung der Veranstaltung. Unter der Fragestellung „Tumorprävention – eine realistische Vision? Möglichkeiten präventiver Therapie- und Diagnostikstrategien“ setzten sich vier Referenten mit dem aktuellen Stand der Forschung auseinander. Gemeinsames Fazit: Man kann auch heute schon viel tun.

Notwendig dafür ist die möglichst frühe Identifikation von Menschen mit erhöhtem Krebsrisiko. „Viele Faktoren sind hinlänglich bekannt, dazu zählen beispielsweise das Rauchen und Umweltfaktoren wie eine erhöhte Feinstaubbelastung“, erklärt Dr. Ulrich Meder, Chefarzt im Sankt Josef Hospital Xanten. Professor Dr. med. Stefan Kasper-Virchow vom Westdeutschen Tumorzentrum in Essen ergänzt: „Hinsichtlich anderer Faktoren gibt es noch Aufklärungsbedarf. So wissen wir heute, dass bei Übergewicht ab einem BMI von 40 die Gefahr einer Krebserkrankung deutlich erhöht ist. Auch das Thema HPV-Impfung ist noch nicht ausgereizt.“ Seit 2007 wird die Impfung Mädchen und jungen Frauen zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs angeboten. Neuere Studien zeigen, dass auch Jungen und junge Männer von dem Schutz profitieren können.

Ein besonderes Augenmerk benötigen Patienten, die aufgrund einer Grunderkrankung einem erhöhten Tumorrisiko ausgesetzt sind. Gerade für diese Menschen bietet das Tumorzentrum Niederrhein eine breite Palette an medizinischer Vorsorge. “Im Tumornetzwerk Niederrhein arbeiten wir intensiv und standortübergreifend nicht nur in der Betreuung von Tumorpatienten zusammen, sondern bündeln unsere Expertise auch hinsichtlich unserer Präventionsarbeit. Für eine Reihe von Patientengruppen und Krankheitsbildern setzen wir bereits erfolgreich Präventions-Strategien um“, erklärt Dr. med. Kerem Bulut, Leiter des Gelderner Standortes. Als Beispiel verweist der Chefarzt auf die Zentren für chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Reflux im St.-Clemens-Hospital. Hier werden Betroffene interdisziplinär versorgt und bei Bedarf auch langfristig betreut. „Dabei setzen wir unter anderem erfolgreich auf moderne Methoden wie die LINX-OP“, ergänzt die stellvertretende Standortleiterin in Geldern, Chefärztin Dr. med. Susanne Born.

Medizinischen Laien geben die Experten einige Tipps mit auf den Weg. Neue Studien zeigen, dass Nahrungsergänzungsmittel und häufig propagierte „Anti-Krebs-Diäten“ keinen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf einer Tumorerkrankung haben. Der Verzehr von Kaffee und Walnüsse wird hingegen empfohlen. Es gilt das Prinzip der Eigenverantwortlichkeit. Gewichtskontrolle, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sowie der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sind wesentliche Bausteine in der Krebsprävention.  

Tumorzentrum Niederrhein
Zum Tumorzentrum Niederrhein gehören die Krankenhäuser in Kamp-Lintfort, Geldern, Xanten und Viersen-Süchteln. Standortübergreifend decken sie nahezu das komplette Behandlungsspektrum bei Krebs ab. Das Besondere ist: Die Versorgung der Patienten findet überwiegend wohnortnah statt. Für einzelne Therapie-Bausteine wird der Patient in die Kooperationskrankenhäuser verlegt. Ansprechpartner bleibt auch dann der behandelnde Arzt im Heimatkrankenhaus.  

 

Foto: Toine Leferink
Die Verantwortlichen im Tumorzentrum Niederrhein zeigen sich rundum zufrieden mit einer gelungenen Fortbildung (v. l.): Dr. med. Ulrich Meder (Sankt Josef-Hospital Xanten), Prof. Dr. med. Stefan Kasper-Virchow (Westdeutsches Tumorzentrum Essen), Dr. med. Kerem Bulut (St.-Clemens-Hospital Geldern), Prof. Dr. med. Gernot Kaiser (St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort), Dr. med. Susanne Born (St.-Clemens-Hospital Geldern), Dr. med. Ulrich Bauser (St. Irmgardis-Krankenhaus Viersen-Süchteln), Dr.med. Mark Banysch (St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort)

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