Älter Delirerkrankte Frau sitzt auf einer Couch und hält sich am Kopf fest. Außen rum sind verschiedene Gemalte Symbole

Umgang mit Delir

St.-Clemens-Hospital Geldern

Ein Delir gehört zu den häufigen Begleiterscheinungen, von denen Patientinnen und Patienten betroffen sind. Etwa jeder 4. operierte Patient jenseits des 70. Lebensjahres erleidet ein Delir. Die akute Verwirrtheit kann aber auch in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten. Wir haben hier einige wichtige Informationen für Angehörige zusammengefasst

Umgang mit Delir

Was bedeutet akute Verwirrtheit bzw. was ist ein Delir?

Die Form der Verwirrtheit, unter der Ihr Angehöriger leidet, wird Delir genannt und kann einige Stunden bis Tage oder sogar Wochen andauern. Sobald sich der Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten verbessert, nimmt das Delir ab. Der Heilungserfolg ist jedoch abhängig vom Alter, der körperlichen Konstitution und eventuellen Vorerkrankungen der Patientin oder des Patienten. Manchmal bleibt trotz aller Therapie eine Restverwirrtheit bestehen.
Ein Delir kann verschiedene Ursachen haben. Häufige Auslöser sind: 

  • Erkrankungen im demenziellen Formenkreis, Infektionen (z. B. Lungenentzündung), Operationen/Narkosen, Unfälle (z. B. Gehirnerschütterung, Knochenbruch)
  • Vorerkrankungen an Herz und Lunge, Stress, Angst, Mangelernährung, Schwerhörigkeit, Sehschwäche, Obstipation, Probleme beim Wasserlassen, Schlafprobleme (teilweise veränderter Tag-Nacht-Rhythmus), Medikamenteneinnahme

Unsere Unterstützungsangebote

Wir betreuen

  • Patientinnen und Patienten über 65 Jahre und deren Angehörige auf der Geriatrie und der Unfallchirurgie 

Wir erfassen das Delirpotenzial durch

  • erfragen der Risikofaktoren
  • kognitives Screening 
  • tägliche Besuche 

Wir begleiten Sie

  • zu Ihrer OP 
  • in den ersten Tagen nach dem Eingriff 

Wir unterstützen durch

  • Maßnahmen, die die Orientierung z.B. zu persönlichen Aspekten oder Zeit und Ort erleichtern 
  • persönliche Gespräche 
  • Begleitung der Angehörigen 

Verlauf

Der Verlauf eines Delirs kann mild bis massiv sein. Folgende Symptome können auftreten:

  • allgemeine Unruhe
  • Desorientierung gegenüber Personen, Ort und Zeit
  • gestörte Kommunikation: Patientin oder Patient kann Gesprächen kaum oder nicht folgen.
  • gestörtes Kurzzeitgedächtnis: Patientin oder Patient kann sich z. B. an gerade Gesagtes nicht erinnern
  • geringe Konzentration
  • eingeschränkte Selbstfürsorge
  • Mühe beim selbstständigen Essen, Waschen und Anziehen
  • beeinträchtigter Tag-Nacht-Rhythmus. Oft schlafen die Patientinnen und Patienten tagsüber und sind nachts hellwach.
  • Halluzinationen (nicht vorhandene Dinge sehen oder hören)
  • Patientinnen und Patienten haben oft Angst. Sie können misstrauisch oder sogar aggressiv reagieren. Manchmal äußern sie Verdächtigungen.
  • Einige Patientinnen und Patienten ziehen sich zurück, schlafen viel oder wirken apathisch.

Diese Symptome können sich von Stunde zu Stunde stark abwechseln.
Wichtig ist: Das alles geschieht ohne Absicht!

Behandlung

Die Ärztin oder der Arzt wird schnellstmöglich die Ursache der Verwirrtheit finden und behandeln. Falls nötig zieht er eine Geriaterin oder einen Geriater hinzu. Als Fachärztinnen und Fachärzte für Altersmedizin sind Geriaterinnen und Geriater darauf  spezialisiert, das Delir zu behandeln.
Neben der medizinischen und medikamentösen Therapie ist es sehr wichtig, den Tag-Nacht-Rhythmus wiederherzustellen, um auf diese Weise das Delir und die Symptome zu  reduzieren.
Die Patientin oder der Patient selbst kann aufgrund seiner akuten Verwirrtheit kaum zur Behandlung beitragen. Mitunter gefährdet er sich und die Behandlung durch seine Unruhe sogar selbst, z. B. indem er venöse Zugänge, Sonden oder Katheter entfernt. Zudem besteht das Risiko, aus dem Bett zu fallen.

Das können Sie als Angehörige und Angehöriger tun

Für Patientinnen und Patienten ist es sehr wichtig, regelmäßig Besuch zu bekommen! Angehörigen bieten wir sogar die Möglichkeit des Rooming-In, also die Mitaufnahme eines Angehörigen im Patientenzimmer. Sie können so 24 Stunden vor Ort sein, um die (nächtliche) Unruhe und Angstzustände abzuschwächen. Dieses Angebot wird von allen Beteiligten als sehr beruhigend erfahren. Weitere wichtige Punkte sind:

Ihr Angehöriger hat absolut keinen Einfluss auf sein Verhalten!

Wenn Ihr Angehöriger eigenartig reagiert, erklären Sie, wer Sie sind und warum Sie kommen. Wenn nötig, wiederholen Sie Ihre Sätze. Ggf. können Sie dem Pflegepersonal Bescheid geben.

Bitte tragen Sie dazu bei, dass Hilfsmittel wie Brille, Hörgeräte oder Zahnprothese mitgebracht und genutzt werden können. Denken Sie an Reserve-batterien, z. B. für die Hörgeräte.

Zur Orientierung tragen vertraute Gegenstände wie eigene Kleidung und Schuhe, Kalender, Armbanduhr, Wecker oder das eigene Kopfkissen bei. Sie können auch ein Foto der Familie in Sichtweite platzieren.

Sprechen Sie ruhig in kurzen, klaren Sätzen. Erzählen Sie Ihrem Familienmitglied, dass es krank ist und im Krankenhaus liegt. Stellen Sie einfache Fragen, z. B. „Hast Du gut geschlafen?“ Bitte keine Doppelfragen wie: „Hast Du gut geschlafen oder bist Du oft wach gewesen?“

Während des Besuches wird es als angenehm empfunden, wenn Sie auf Augenhöhe sitzen. Beruhigend wirkt auch das Festhalten einer Hand im Gespräch. Sie müssen nicht andauernd reden. Oft reicht es schon aus, wenn Sie da sind.

Besuch ist wichtig, aber in Maßen!
Zu viele Personen gleichzeitig können anstrengend und verwirrend sein. Sprechen Sie sich bitte untereinander ab, wer wann zu Besuch kommt. Wenn Sie zu Mehreren kommen, setzen Sie sich an eine Bettseite. Es ermöglicht der Patientin oder dem Patienten, sich auf einen Punkt zu konzentrieren.

Manchmal werden nicht vorhandene Dinge gesehen oder gehört (Halluzinationen) oder Misstrauen geäußert. Die Patientin oder der Patient nimmt die Halluzinationen als Realität wahr. Bitte nicht korrigieren, sondern handeln Sie emphatisch.

Machen Sie sich nicht lustig über das Verhalten. Die Patientin oder der Patient kann sich durchaus bewusst sein, dass sein Verhalten befremdlich wirken kann.

Patientinnen und Patienten, die vor einem Delir bereits Gedächtnisstörungen hatten, können sich später oft noch an ihre Verwirrtheitsphase erinnern. Sie schämen sich für ihr Verhalten und haben Angst, dass ihnen so etwas erneut passiert. 
Sprechen Sie als Angehörige über das Vorgefallene. Sie können deutlich machen, dass das Verhalten durch die akut aufgetretene Verwirrtheit verursacht wurde. Das Gehirn konnte übergangs-weise nicht mehr normal funktionieren, z. B. wegen eines Fieberschubs.

St.-Clemens-Hospital Geldern
Clemensstraße 6
47608 Geldern